Sauperlen, allein wes Grundes??!

Sauperlen, allein wes Grundes??!

Der folgende Text ist eine Überarbeitung eines Artikels, den ich im Sommer 2017 auf medium.com veröffentlichte. Zu der Zeit sicherte ich mir auch schon die Rechte an der Domain: sauperlen.com. In dem Artikel beschrieb ich, was mich zu dem Namen Sauperlen als essentiellen Bestandteil meines Schaffens bewegte. Hope you enjoy:

Liebe Leserin, Lieber Leser,
erst einmal möchte ich mich dafür Bedanken und freue mich sehr darüber, dass Du Dich hierher verirrt hast und Interesse dafür opferst, was ich mir hier so alles alles zusammen fabuliere.

Es stellt sich eventuell die Frage: Warum verdammt noch mal denn nun und wieso gerade Sauperlen?

Im Vordergrund der Idee der Sauperlen stehen die unbezahlbaren Perlen aka Wahrheit, die beim Ausbringen nie Reue bringen, aber darf man sie nie den Säuen zum Fraße vorwerfen, so oder so ähnlich sagte es Theodor Storm für seine Söhne.

Das Gedicht lernte ich damals 2000/2001, während meines einjährigen Engagements als Betreuer der Lebenshilfe Dinslaken e.V., von dem Vater eines jungen Mannes mit Behinderungen durch eine Hirnhautentzündung kennen.
Ich fand das Gedicht sehr gut und gerade die Passage: Doch, weil Wahrheit eine Perle, wirf sie auch nicht vor die Säue.
Leuchtete mir sofort ein. Wahrheit ist wichtig, aber nicht jeder verdient sie..
Intuitiv hatte ich etwas wichtiges für mein weiteres Leben gelernt: Lüge nicht, aber schaffe Dir auch keine hausgemachten Probleme mit denen, die eh nichts anderes als Probleme generieren können.

Den dummen, schlechten, hässlichen Säuen… So, oder so ähnlich kann man es zumindest verstehen oder habe ich es verstanden.

Denn auch schon in der Bibel steht eindeutiger und unverblümter, dass Säue unsere Perlen nur zertreten und sich dann mit letaler Absicht gegen uns wenden (die Hunde kommen dabei auch nicht gut weg…)!

Vorgestern fiel mir dann wie Schuppen von den Augen, wie widerwärtig mir mittlerweile das Sauperlen-Bild eigentlich schmeckt.

Aber allein wes Grundes?

Erstens: Warum sind Menschen Säue?
Wer ist denn jetzt genau die Sau? Der Dumme, der Schlechte oder der Hässliche??? Oder sind es Hybride oder alle drei zusammen?
Ist die klassische, menschliche Sau ein Feind oder ein Freund? Ein Freund kann es eigentlich nicht sein, da ja niemand eine Sau als Freund hat, und Freunde uns nicht töten wollen: also ein Feind!

JA!

Die Feindessau. Die ist Schuld.

Aber Moment, sollen wir nicht unsere Feinde lieben?
Und überhaupt sollten unsere Werte nicht die Strahlkraft haben, andere zu überzeugen?! Anstelle Angst davor zu haben, dass sie zuerst unsere Werte und dann uns vernichten (Hagen Rether)?

Darüberhinaus darf auch noch erfragt werden, wem wir von der vermeintlichen Wahrheit berichten sollen, als denen, die sie nicht kennen, denn den Wissenden serviert man so nur kalten Kaffee, indem man sich dann gemeinsam suhlen, Pardon, wir sind ja auf keinen Fall die Säue, ich meine, räkeln kann. Was auch immer Wahrheit sein mag…?!

‘Oder aus heutiger Sicht, die damals genauso relevant war’
Die westliche Welt ist doch der Gute, hörte ich. Somit haben wir auch die guten Werte, die den Ungläubigen auf den rechten Pfad der Tugend leiten müssten. Wir sind (sozusagen) Tugend, denn nichts ist mehr auf dem Holzweg als die Sau, die weder unsere Werte noch unsere Tugend hat. Denn allein dem Tugendhaften gehört die eudaimonische Glückseligkeit! Dieser Fabelzustand, den man erreicht, wenn man das macht, was diejenigen, die wissen, was das Richtige für uns ist, propagieren, notfalls mit Waffengewalt.
Und Überhaupt kann endlich mal jemand bis alle machen, was ich sage, ICH kenne doch DIE WAHRHEIT..

Wer hat Angst vorm weißen Mann? Alle!
Und wenn er kommt? Dann grunzen wir!

Zweitens: Ist denn das Schwein überhaupt eine Sau?
Um spitzfindig und anmaßend zu bleiben und weiterhin beständig am eigentlichen Problem der Unheiligkeit der Heiden und ähnlichen Säuen vorbei zu argumentieren, werfe ich jetzt auch noch die unnütze Frage auf, ob Schweine denn Säue sind?!

Und das ist das Problem. Das Schwein gilt in allen jüdischderivierten Religionen als unrein, denn die bösen Dämonen der Geisteskranken wurden in sie verbannt (und auch wenn ein bestimmter Jude sagt, dass wichtiger ist, was aus dem Mund raus- als reinkommt, ist damit noch lange nicht das schweineweite Bannsiegel — abgeleitet aus einer einzigen göttlich infizierten Herde — aufgehoben. Aber das nur am Rande.). Aber davon abgesehen, dass nur noch wenige Menschen an Dämonen glauben, befürchte ich, einräumen zu müssen, dass Schweine zu den intelligentesten und (wichtiger) fühlenden Lebewesen auf Mutter Erde zählen. Da zumindest den meisten Europäern Hunde näher am Herzen liegen, aber für Schweine in meinen Augen das Gleiche gilt, möchte ich zu diesem Thema Konrad Lorenz zitieren:

Wer beim Betrachten eines Hundes nicht ganz von selbst erkennt, daß dieser Gefühle hat, genau wie wir Menschen auch, leidet unter Wahrnehmungseinschränkungen solchen Ausmaßes, daß er als gemeingefährlich eingesperrt werden müßte… (Konrad Lorenz)

Leider sehen dies bis heute die wenigsten, zumindest bei Schweinen beziehungsweise bei allen Nutztieren. Auch ich konnte mich bis heute nicht von tierischen Lebensmtteln — vor allem Fleisch — befreien, obwohl meine Seele danach schreit. :´-(

Drittens: Warum sind Heiligtümer und Wahrheiten Perlen?
Was mir heilig ist, wie die Wahrheit, ist für mich keine Perle, sondern ein in mir seelisch verankertes Grundprinzip. Sicherlich ist das mir Wichtige auch etwas — in welcher Art auch immer — individuell-relevant schönes, anmutiges und erstrebenswertes, aber warum sollte etwas eine ikonisch induzierte Sonderstellung einnehmen, wenn es ein Element der Menschlichkeit oder Nächstenliebe ist. Vielmehr ist es doch so, dass die Ersten die Letzten seien und die Schwachen die wahrhafte größe Besitzen. Wieso muss etwas groß geredet werden, was eh schon gigantisch ist. Macht nicht nur semantisch keinen Sinn, sondern degradiert das Hohelied zu einem Kommerz-Schlager.
Perlen sind für mich Tand der Schönen und Reichen, um etwas darzustellen — auf der Basis der Schändung einer lebendigen Meeresfrucht. Nicht besser als das Tragen von Pelzen (oder Daunen).
Natürlich galten solche Einwände zu vergangenen Zeiten nicht bis gar nicht, aber warum sollte so etwas nicht mittlerweile relevant und aktuell sein und dem Perlen-Bild einen bitteren Geschmack verleihen dürfen?!

Viertens: Stellverterter für eigenen inneren Wandeln
Abschließend sind mir die Sauperlen so wichtig, weil mir auffiel für was sie für mich stehen:

Inneren Wandel

Einst liebte ich das Bild der verschwendeten Perlen vor die feindlichen Säue, jetzt verabscheue ich es.
Ich will gar nicht behaupten, dass ich heute eine bessere Version meines jüngeren Iches bin, aber ich habe mich gewandelt und mag mich mittlerweile selber mehr. Verkörpere eher das, woran ich glaube und wofür es sich mit aller waffengewalt pazifistisch zu kämpfen lohnt.

In diesem Sinne: Danke für das Lesen und bis auf bald,

Kersten

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