Das Leben mit Hund

Das Leben mit Hund
Hippie

Unser Hund Hippie wurde im April 2018 Teil unserer Familie. Ilona und ich haben keinerlei Kinder, uns beide bewusst dagegen entschieden, aber wir haben jetzt einen Hund. Dieser soll nicht als Kindersatz dienen, hat sich aber in den 16 Monaten ganz schön in unser Herz gestohlen.

Ich hatte als Kind einen Hund, ihr Name war Susi und wie Hippie kam auch sie aus dem Tierheim. Wir holten SIe aus dem Dinslakener Tierheim, das keinen guten Ruf hatte und Jahre später auch geschlossen wurde. Sie saß mit einem ihr ähnlich sehenden Rüden in einem Zwinger. Er war keck und bellte angriffslustig. Sie saß dagegen ganz verschüchtert in der Zwingerecke und gab keinen Mucks von sich. Ich habe mich gleich in sie verliebt, weil sie so traurig und hilfsbedürftig  aussah. Ein Highlight in meiner Kindheit war, als ich Susi in meiner Klasse vorstellen durfte, sie machte brav sitz und gab mir wie geplant die Pfote. Gab es zwischen meinen Eltern dicke Luft, huschte Susi in mein Kinderzimmer, wo ich sie streichelte und wir uns gegenseitig beruhigten. Neben ihrem Tod war der traurigste Moment als Susi von einem anderen Hund doll gebissen wurde und mit mehreren Stichen genäht werden musste. Sie war danach nie wieder die Alte. Sie bellte und knurrte mehr, wurde misstrauischer und in sich gekehrter. Viel mehr Erinnerungen habe ich gar nicht mehr an sie, eher daran, dass ich immer zu faul war mit ihr rauszugehen und ich umgehend Hausaufgaben machen musste oder todmüde war, bat mich meine Mutter darum.

Ilona hatte nie einen Hund, wollte aber immer einen haben, scheute sich aber auch vor der Verantwortung und hatte früher auch im Vollzeitjob keine ausreichende Zeit für einen Wauwau.

Im Augenblick haben wir beide mehr Zeit für einen Hund, so dass wir uns nach langem hin und her, Recherche im Netz und Besuchen in Tierheimen doch einen anschafften. Letztendlich haben uns meine Tante Kerstin und meine Cousine Michelle mit Bildern, Geschichten und Videos zu Hippie zermürbt und geködert … und dafür sind wir ihnen für immer dankbar. Karsamstag statteten wir dem Tierheim in Alpen einen Besuch ab, lernten den megaängstlichen und abweisenden Hippie kennen, eigentlich war schon vorher klar, was Ostermontag dann wahr wurde: Wir hievten ihn ins Auto und fuhren mit einem neuen Familienmitglied zurück nach Dortmund. Gleich wurde offenbar, Hippie liebt das Autofahren. Er war ganz entspannt, legte sich auf dem Rücksitz ab oder guckte interessiert aus dem Fenster.

Zuhause bei Ilona angekommen, war er seiner Natur bzw seiner gemachten Erfahrungen entsprechend sehr ängstlich und zog sich zitternd in die letzte Ecke des Flurs zurück. Bei den ersten Spaziergängen wurde klar, er hat vor allem Angst: Herumliegende Tüten, Dingen mit Rädern, allerlei Geräuschen, Menschen und gar vor hinabfallenden Blütenblättern.. Spazierengehen war mit ihm fast unmöglich und war für alle beteiligten ein reines Spießrutenlaufen. Bei kleinsten Störungen sprang er los und riss einen mit nahezu 20kg fast um oder rannte einem weltvergessen oder ängstlich in die Beine.

Wir suchten uns bald eine Hundepsychologin, die uns bei der Erziehung und beim Verstehen des Hundes helfen sollte. In manchen Bereichen half sie auch ganz gut, aber ihr esoterisches Naturell stand leider an erster Stelle. Wir probierten zusammen mit Hipps Schüssler Salze, Bachblüten-Tropfen kriegte nur er. Soweit so gut, warum nicht, komisch wurde es aber als sie uns erzählen wollte, dass ihre Hunde, die sie einmal zur Trainingsstunde mitnahm, für sie die Energiearbeit mit Hippie übernehmen würden.. 

Zu einer uns noch heute erheiternden Anekdote wurde der Tipp, dass wir gegen das vehemente Ziehen des Hundes eine sehr progressive Strategie fahren sollten: Schneller laufen! 

Neben zwei, drei nützlichen Tipps kam leider nicht viel und nachdem sie mehrmals absagte, aber einen Heidenterz nach einmaligem krankheitsbedingten Absagens unsererseits machte, trennten wir uns von ihr. 

Einige Zeit später entschieden wir uns einer weiteren Hundetrainerin eine Chance zu geben. Eine sehr engagierte Frau, die uns fachlich (nicht esoterisch, sondern handfest) einiges beibringen konnte, sie war zwar sehr im Umgang mit Hunden geübt, nur nicht in dem mit Menschen. Das ganze ähnelte eher einem cholerischen Bootcamp als Unterricht. Und da wir uns nicht gerne mies behandeln lassen, stellten wir auch diese Bemühungen bald ein. Nichtsdestotrotz lehrte sie uns (und das ist das Wichtige) einiges und wir können vor allem durch die Einführungen des Haltis (“Hundehalfter”) den Hund besser führen.

In einem Punkt sind sich aber Ilona und ich uns einig: Der Hund kommt nicht ins Bett!!! Nicht mal ins Schlafzimmer! Na gut, aber nur ins Schlafzimmer, NICHT INS BETT.

Als er dann eines Tages – schwups – doch im Bett war, ließen wir ihn kurz gewähren, schmissen ihn dann aber beherzt wieder raus. 

Womit wir zum eigentlichen Grund dieses Artikels gekommen sind. Mittlerweile freuen wir uns ‘nen Ast ab, wenn er zu uns ins Bett kommt und mit uns chillt, schmust und tobt. Er schläft (noch) nicht im Bett, aber seit einigen Tagen kommt er auch in das Bett meiner Wohnung, in der er sich leider (bis heute?) weniger wohl fühlt als in Ilonas.

Ich war heute morgen um 6 mit ihm draußen, nachdem mich eine flehende Stimme zuerst weckte und mich dann bat mit ihm rauszugehen. Nach dem Gassigang blieb ich noch kurz wach, musste dann aber schnell zurück ins Bett, da ich sehr müde wurde (umfallt). Wenige Sekunden nach mir sprang der Hund ins Bett und wollte toben und spielen. Er knabberte an mir, er leckte mir die Zehen, hat versucht mein Bein zu rammeln (ganz neu im Verhaltensportfolio), kratzte mich, trat mich und schmuste mit uns. Diese hündische Lebensfreude steckte mich an, meine leicht depressive Müdigkeit verflog (auch vor Schmerzen ^.^ ) und ich entschied mich, etwas über unser Glück mit Tier, was wohl kein Hundeloser verstehen kann, zu schreiben. 

So ist es, das Leben mit Hund.

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